Interplast-Einsatz & Erste-Hilfe-Kurse in Mua, Chantulo und Mganja

Unser erneuter Einsatz am Mua Mission Hospital im März 2026 war in vielerlei Hinsicht besonders.Das Team von  Interplast Germany e.V. konnte zwei Wochen medizinische Hilfe leisten, die für viele Menschen einen unmittelbaren Unterschied bedeutet.

Trotz herausfordernder Bedingungen – geprägt von Regen, eingeschränkter Infrastruktur und teilweise improvisierter Technik – gelang es, über 100 Patientinnen und Patienten zu untersuchen und rund 60 operative Eingriffe durchzuführen. Der Fokus lag dabei auf rekonstruktiver Chirurgie, insbesondere der Behandlung von Verbrennungskontrakturen, Hauttransplantationen sowie Hernien- und Weichteileingriffen.

Jeder einzelne Eingriff steht für eine konkrete Verbesserung von Lebensqualität – oft für Menschen, die sonst keinen Zugang zu chirurgischer Versorgung haben.

Medizinischer Einsatz unter besonderen Bedingungen

Die Situation vor Ort machte erneut deutlich, wie stark medizinische Versorgung von funktionierender Infrastruktur abhängt. Technische Ausfälle – vom Autoklaven bis zu diagnostischen Geräten – erforderten ein hohes Maß an Improvisation, Engagement und Teamarbeit.

Gleichzeitig war der Einsatz geprägt von intensiver Zusammenarbeit mit dem lokalen Krankenhauspersonal. Wissenstransfer und gemeinsames Lernen waren zentrale Bestandteile – sowohl im OP als auch in der Nachsorge.

Erweiterung des Einsatzes: Erste-Hilfe-Kurse in den Dörfern

Ein besonderer Schwerpunkt dieses Einsatzes war die Durchführung von Erste-Hilfe-Kursen in den umliegenden Gemeinden – in Chantulo, Mganja und Mua.

Diese Initiative entstand in enger Zusammenarbeit mit Father Brendan O’Shea und lokalen Strukturen vor Ort.

Das von Dr. Gie Vandehult entwickelte Schulungskonzept ist speziell auf die Bedürfnisse ländlicher Regionen ohne medizinische Grundversorgung zugeschnitten. Vermittelt wurden grundlegende, lebensrettende Maßnahmen:

  • Versorgung von Wunden und starken Blutungen
  • Stabilisierung und Schienung von Knochenbrüchen
  • Umgang mit bewusstlosen Personen
  • Sicherer Transport von Verletzten
  • typische Unfallmuster wie die sogenannte „Mango Disease“ (Stürze von Bäumen)

Lernen durch Erleben

Da klassische Lehrmethoden vor Ort oft nicht umsetzbar sind, wurde ein bewusst niedrigschwelliger Ansatz gewählt: Rollenspiele.

In anschaulichen Szenen – vom Sturz vom Mangobaum bis zum Motorradunfall – wurden Notfallsituationen dargestellt und gemeinsam erarbeitet. Die Teilnehmenden wurden aktiv eingebunden, wiederholten die Szenarien selbst und entwickelten so ein praktisches Verständnis für die erlernten Maßnahmen.

Große Resonanz und tief bewegende Begegnungen

Insgesamt nahmen über 150 Menschen an den Kursen teil:

  • In Chantulo: ca. 25 Frauen in einem sehr persönlichen, intensiven Rahmen
  • In Mganja: rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • In Mua: etwa 60 Mitglieder einer Selbsthilfegruppe

Die Offenheit, die Lernbereitschaft und das Engagement der Teilnehmenden waren beeindruckend.

Gleichzeitig wurden diese Begegnungen von einer tiefen emotionalen Dimension begleitet: Viele Frauen brachten ihre Kinder mit – Kinder mit schweren körperlichen Einschränkungen, insbesondere spastischen Lähmungen. Oft tragen die Mütter ihre Kinder täglich über lange Strecken.

Immer wieder wurde die Hoffnung geäußert, medizinische Hilfe oder zumindest Unterstützung im Alltag zu erhalten. Besonders häufig kam der Wunsch nach einfachen Kinderrollstühlen auf.

Diese direkte Konfrontation mit den Lebensrealitäten vor Ort macht die Bedeutung nachhaltiger Hilfe deutlich. Erste Gespräche zur Umsetzung entsprechender Versorgungsangebote – unter Einbindung eines Orthopäden aus Lilongwe – wurden bereits angestoßen.

Nachhaltigkeit durch Wissen

Die Erste-Hilfe-Kurse haben eindrücklich gezeigt: Hilfe beginnt nicht erst im Operationssaal.

Die Vermittlung von grundlegenden medizinischen Kenntnissen kann Leben retten, Komplikationen verhindern und langfristig die Gesundheitssituation in abgelegenen Regionen verbessern.

Die Fortführung und der Ausbau dieser Trainings sind daher fester Bestandteil zukünftiger Einsätze.

DANKE INTERPLAST e.V. DEUTSCHLAND!!!!!